In den Jahren direkt nach Ende des Zweiten Weltkriegs erlebte Europa eine
Katastrophe. Die Wirtschaft war ruiniert, die politische Lage instabil, das
persönliche Leid vieler Menschen extrem. So sah die Lage aus, als General George
Catlett Marshall Anfang 1947 Außenminister der Vereinigten Staaten wurde. Bei
einem Treffen mit Josef Stalin anläßlich der Außenministerkonferenz im März 1947
wurde Marshall klar, daß Rußland keinerlei Interesse daran hatte, Hilfe für
Europa zu leisten. Die einzige Hoffnung Europas richtete sich auf Hilfe aus den
USA. Marshall war fest davon überzeugt, daß der Wiederaufbau Europas und die
wirtschaftliche Stabilität in dieser Region auch für die Vereinigten Staaten nur
von Nutzen sein konnten.
In den folgenden Monaten entwickelten Marshall und seine Mitarbeiter einen
Plan, der für Europäer und Amerikaner gleichermaßen annehmbar sein sollte. Diese
Ideen bildeten die Grundlage zu Marshalls berühmter Rede an der
Harvard-Universität am 5. Juni 1947, in der er äußerte, daß Europa dem
wirtschaftlichen, sozialen und politischen Zusammenbruch entgegensehe, wenn
niemand Hilfe leistete. Ein wichtiges Element seines Vorschlags war, daß die
Initiative für den Wiederaufbau von den betroffenen Staaten selbst auszugehen habe.
Daraufhin wurde im Jahr 1948 das European Recovery Program (Programm für den
Wiederaufbau Europas) ausgearbeitet. Im Rahmen dieses Programms wurde ein
Durchführungsorgan eingesetzt, genannt Economic Cooperation Administration, das
westlichen Ländern, die sich daran beteiligten, Hilfe in Höhe von mehr als 13,3
Milliarden Dollar zukommen ließ. Erreicht wurde u.a. folgende Ziele:
- Das Bruttosozialprodukt in Europa stieg um 32,5%, von 119 Mrd. 1947 auf 159
Mrd. 1951.
- Die industrielle Produktion stieg im Vergleich zur Zeit vor dem Krieg um
40%, der landwirtschaftliche Ertrag um 11%.
- 1953 war das Handelsvolumen Europas um 40% gestiegen.
Der Marshall-Plan erreichte sein Ziel der Produktivitätssteigerung sowie der
Förderung von Wirtschaftswachstum und Handel. Der Lebensstandard verbesserte
sich, die wirtschaftlichen, sozialen und politischen Strukturen der
Teilnehmerländer wurden gestärkt. Die politische Lage in der Region
stabilisierte sich, dadurch wurde die Ausbreitung des Kommunismus stark eingedämmt.
Die offizielle Hilfe im Rahmen des Marshall-Plans endete am 31. Dezember
1951. Mit seinem Prinzip der Hilfe zur Selbsthilfe hatte der Marshall-Plan den
Grundstein für eine Fortsetzung der Auslandshilfe gelegt, die zum festen
Bestandteil der Außenpolitik der USA wurde. Der Marshall-Plan leitete eine neue
Ära der Zusammenarbeit, gegenseitigen Hilfe und Unterstützung zwischen
Westeuropa und den Vereinigten Staaten ein, er bildete die Grundlage für eine
starke und verläßliche NATO. Aufgrund dieser bemerkenswerten Ergebnisse gilt der
Marshall-Plan als eine der erfolgreichsten Initiativen in der Geschichte der
amerikanischen Außenpolitik.
Das Vermächtnis, die Ziele und die Ideale des Marshall-Plans leben im
Bildungsauftrag des George C. Marshall Centers für Sicherheits- und
Verteidigungsstudien weiter. Das George C. Marshall Center hat sich zur Aufgabe
gemacht, einen Beitrag zu einem stabileren Sicherheitsumfeld zu leisten - durch
die Verbesserung demokratischer verteidigungspolitischer Einrichtungen, durch
Kontakte, durch die Förderung aktiven Engagements für den Frieden und durch den
Aufbau stabiler Partnerschaften zwischen den Ländern Amerikas, Europas und Eurasiens.