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Anti-Terror-Kampf in der „Ewigen Stadt“

vom Senior Master Sgt. Mark Winkler
GCMC Presse- und Offentlichkeitsarbeit

ROM, Italien -- Terrorismus ist eine große Gefahr für Nationen und deren Regierungen. Da diese Gefahr aber nicht von einem Land im Alleingang gebändigt werden kann, setzen die Anti-Terror-Experten mehr und mehr auf internationale Zusammenarbeit.

Das George C. Marshall European Center for Security Studies fördert diese Kooperation an vorderster Front. Der Kursdirektor des Forums – Terrorismus und Sicherheit, COL (ret) Nick Pratt, wollte bereits 1996 eine Plattform bieten, auf der sich Sicherheitsexperten aus der ganzen Welt direkt austauschen können.

„Es ist extrem wichtig, dass sich die Sicherheitskräfte persönlich kennenlernen und ein enges Netzwerk bilden. Nur durch direkte Verknüpfung der verschiedenen Anti-Terror-Einheiten ist es möglich, Informationen mit geringem Zeitverlust in Ihrer Branche zu teilen und auszuwerten.“ erklärt Nick Pratt, der auch noch im Jahr 2012 dieses Forum mit der Abkürzung PTSS, leitet. „Es ist aber nichtausreichend, dieses Netwerk ins Leben zu rufen, es muss auch fortwährend mit aktuellen Informationen am Leben gehalten werden!“ betont der ehemalige Colonel des US-Marine Korps.

Zu diesem Zweck lädt der Kursdirektor nicht nur Gastdozenten, die aus aktuellen Erfahrungen berichten können, nach Garmisch-Partenkirchen ein sondern Pratt bringt jeden Kurs für eine Woche in ein befreundetes Land, um dort Informationen und Erfahrungen zu sammeln und auszutauschen. England, Frankreich, Israel und auch Libanon haben bereits Ihre Erfahrungen mit dem Marshall Center geteilt. Rom – die „Ewige Stadt“ stand beim Forum 12-3 auf dem Reiseplan der PTSS Teilnehmer.

 Nicht wegen der großen Geschichte der Stadt und deren beeindruckender Gebäude wurde die Studienreise nach Italien geplant, sondern weil sich in der Hauptstadt auch die Hauptquartiere der Italienischen Sicherheitskräfte befinden. In enger Zusammenarbeit mit dem ehemaligen Marshall Center Dozenten Admiral (ret) Alberto Cervone, seinem Nachfolger im Amt Brigadegeneral Salvatore Gagliano und dem stellvertretendem Kursleiter Joseph Vann wurde den Teilnehmern ein anspruchsvolles Programm in der italienischen Metropole geboten.

Am ersten Tag folgte der PTSS-Kurs der Einladung der Führungsakademie der Italienischen Streitkräfte - CASD. Das „Centro Alti Studi per la Difesa“ ist ein Zentrum für höhere Verteidigungsstudien und bot einen Einblick in die Arbeit des „Dipartimento delle Informazioni per la Sicurezza“, eine Abteilung des Ministerpräsidenten, die Italienische Nachrichtendienste koordiniert. Dieses Büro entsandte drei Experten, welche nicht nur einen Einblick in verdeckte Verfahrensabläufe boten, sondern sich auch den zahlreichen Fragen der Kursteilnehmer stellten.

Nach einem Gruppenfoto im Palazzo Salviati, welcher heute vom CASD genutzt wird, erläuterte Brigadegeneral Lucio Lepore, Chef der Bedrohungsanalyse der Carabinieri, die Struktur der Italienischen Polizeikräfte und die enge Zusammenarbeit mit dem Militär. So sind zum Beispiel die Carabinieri eine militärische Teilstreitkraft, die in Friedenszeiten Polizeirechte vom Innenministerium übertragen bekommt. Seinen sehr komplexen Auftrag, mit völlig anderen Rahmenbedingungen, stellte Marco Scarpa detailliert dar. Der stellvertretende Leiter des „Inspektorats für Öffentliche Sicherheit -Vatikan“ muss mit seinem Team an speziellen Zeremonien im Vatikan bis zu 1,5 Millionen Pilger und Touristen pro Tag kontrollieren. Deren Sicherheit und der persönliche Schutz des Kirchenoberhauptes stellen die Einheiten der Staatspolizei und der Schweizer Garde täglich vor große Herausforderungen.

Der zweite Arbeitstag begann in der alten Bibliothek der Parlamentsabgeordneten in der historischen Innenstadt. Lorenzo Vidino Ph.D. berichtete über die Entstehung und das Gefährdungspotenzial durch jihadistischen Terrorismus in Italien. Historische Hintergrundinformationen boten Mr. Vincenzo Tessandori, von der Zeitung „La Stampa“, über die Aktivitäten der „Roten Brigade“ und anschließend berichtete Generalleutnant (ret) Carlo Cabigiosu von terroristischen Aktivitäten in Südtirol und den damals ergriffenen Gegenmaßnahmen der Republik. Eine lange Geschichte hat auch das Abgeordnetenhaus Italiens zu erzählen. Tief beeindruckt zeigten sich die Kursteilnehmer vom Rundgang durch das Parlamentsgebäude in Rom.

Der dritte Arbeitstag der Studienreise begann in der Schule der Italienischen Staatspolizei. Präfekt Stefano Berrettoni, Direktor der Zentraldirektion der Staatspolizei (Direzione Centrale della Polizia de Prevenzione), erläuterte die Evolution der italienischen Anti-Terror-Strategie bis zum heutigen Tag.

„Der Staatsschutz und die Anti-Terror-Einheiten haben sich zu weit von der Öffentlichkeit entfernt und operieren weitgehend autark. Das ist meiner Ansicht nach ein großer Fehler!“, betont der Präfekt. „Wir müssen die Bürger wieder in unsere Ermittlungen mit einbeziehen. Nur durch Hinweise aus der Bevölkerung können Einzeltäter vor einem Anschlag oder einem Verbrechen gestellt werden.“ Des Weiteren forderte er von den internationalen Experten, sich nicht nur auf High-Tech zu verlassen. „Vertrauen Sie Ihrem Instinkt, führen Sie Befragungen durch und sammeln sie Informationen.“, fordert er im Auditorium. Jedes Mosaikteilchen sei nötig um das Gesamtbild entschlüsseln zu können! Dr. Claudio Galzerano, Direktor der II Anti-Terror Division, berichtete über Erfahrungen der Staatspolizei bei Ermittlungen gegen religiös inspirierten Terrorismus.

Er forderte die PTSS Teilnehmer auf, über neue Ermittlungsmethoden und Strategien nachzudenken, um auf Dauer mit der schnellen Weiterentwicklung des Terrorismus mithalten zu können. Gleiche Ziele wie das Marshall Centers verfolgt auch Dr. Nicola Falvella. Der Direktor der III Anti-Terror Division Italiens, pochte auf mehr internationale Zusammenarbeit. „Ich gebe jedem Teilnehmer hier im Raum eine CD mit nach Hause, auf der alle Kontaktpersonen meiner Abteilung für den gemeinsamen Antiterrorkampf gespeichert sind.“, kündigte Dr. Falvella an. „Ich bitte Sie, nutzen sie dieses Netzwerk! Nur gemeinsam werden wir eine Chance haben, gegen den Terror erfolgreich vorgehen zu können.“ Dr. Falvella forderte auch von allen Sicherheitskräften eine schnellere Informationsweitergabe und erörterte Möglichkeiten für neue internationale Kooperationen.

Der spannende Tag wurde durch einen Besuch im Hauptquartier der Polizei Spezialkräfte abgerundet. Die Nucleo Operativo Centrale di Sicurezza (N.O.C.S.) ist eine Spezialeinheit der Staatspolizei, die Ihren Sitz und das Trainingsareal westlich von Rom haben. Nach einer kurzen Einführung in die Struktur und Aufgaben der N.O.C.S. konnten die Gäste vom Marshall Center noch die Ausrüstung kennen lernen, bevor in einer Leistungsschau im Trainingscamp der N.O.C.S. die Verhaftung mehrerer flüchtiger Personen eindrucksvoll demonstriert wurde.

Die Schule der Carabinieri in Rom war Veranstaltungsort des letzten Studientages. Dr. Giancarlo Amato, Staatsanwalt am Obersten Gerichtshof in Rom, hielt einen inspirierenden Vortrag, der bei den Kursteilnehmern zu ausführlichen Diskussionen führte. Er betonte besonders das Spannungsfeld zwischen den Maßnahmen zur Terror-Prävention und der Wahrung der Menschen- und Bürgerrechte.

Bei diesem Vortrag, den Kursdirektor Nick Pratt bei seinem Wochenrückblick besonders hervorhob, kamen die unterschiedlichen Ansätze der Teilnehmerländer am deutlichsten zum Vorschein. Der letzte Abschnitt der Studienreise führte die Gruppe zum Hauptquartier der „Guardia di Finanza“. Dr. Armando Spataro stellte nochmals die schwierige Position der Staatsanwaltschaft bei Anti-Terror-Missionen dar. Zum Abschluss der Studienreise wurde von der Finanz- und Grenzschutzpolizei dargelegt, wie in Italien versucht wird die finanzielle Unterstützung der Terroristen zu unterbinden und Geldwäsche zu verhindern. Sichtlich zufrieden schien am Rückreisetag der Kursleiter Nick Pratt zu sein. „Wir versuchen bei unserem Kurs immer neue Wege aufzuzeigen und holen uns dazu Ideen aus anderen Ländern. Admiral Cervone und Brigadegeneral Salvatore Gagliano sagten zu mir, wir sollten mit dem PTSS Kurs italienische Behörden besuchen! Und Sie hatten Recht! Es war eine sehr erfolgreiche Studienreise.“



Participants from the Program in Terrorism and Security Studies pose for a photo March 5 at the Palazzo Salviati, a former Vatican Archive building that is now the home of Centro Alti Studi per la Difesa.

(Photo/German Senior Master Sgt. Mark Winkler)

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Last Updated on Friday, 16 March 2012 13:38  


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